.web-Domains sind da: Was hinter der Delegation steckt – und warum diese TLD anders ist

.web-Domains sind da: Was hinter der Delegation steckt – und warum diese TLD anders ist

Nach mehr als einem Jahrzehnt Rechtsstreit, Schiedsverfahren und offenen Fragen ist es seit dem 23. Juli 2026 offiziell: ICANN hat die Top-Level-Domain .web in die globale DNS-Root-Zone delegiert – mit Verisign als Registry-Operator. Noch in diesem Jahr sollen erste .web-Domains über Registrare verfügbar werden.

Für die Domain-Industrie ist das eine der bedeutendsten Neuigkeiten seit der ersten gTLD-Runde 2012. Für Markeninhaber und Unternehmen ist es vor allem eines: ein konkreter Handlungsanlass.

Von der Auktion 2016 zur Delegation 2026

.web ist keine gewöhnliche neue TLD. Der Begriff ist weltweit verständlich, technologieneutral und stark mit digitaler Identität assoziiert. Entsprechend groß war das Interesse von Anfang an – und entsprechend heftig der Streit darum.

2016 gewann Nu Dot Co LLC, eine Verisign-Tochtergesellschaft, die ICANN-Auktion mit einem Rekordgebot von 135 Millionen US-Dollar. Was folgte, war kein Neustart, sondern ein jahrelanges Schiedsverfahren. Mitbewerber wie Afilias (heute Altanovo Domains Ltd.) fochten das Ergebnis juristisch an – mit dem Vorwurf, der Vergabeprozess sei nicht regelkonform verlaufen. Erst im April 2023 entschied das zuständige ICANN-Gremium, dass kein Regelverstoß vorlag. Die anschließenden Gegenreaktionen verzögerten die Delegation erneut.

Nun ist die Sache geklärt: Verisign – eine der größten Registries der Welt und Betreiber von .com und .net – übernimmt .web. Das ist eine Garantie für stabile Infrastruktur und hohe Registrarzahlen von Tag eins an. Angesichts der Nachfrage und der mit jeder neuen TLD verbundenen ICANN-Vorgaben ist zu erwarten, dass der Preis für .web-Domains höher liegen wird als bei .com – ähnlich wie bei anderen Premium-TLDs der ersten Stunde.

Drei Gründe, warum .web besonders ist

Wie bei allen gTLDs muss auch .web dem von der ICANN vorgegebenen Muster folgen: für Markeninhaber beginnet die Einführung mit der Sunrise-Phase, danach Early Access, bis hin zur General Availability. Drei Gründe, warum .web sich von anderen neuen TLDs unterscheidet:

  • Globale Verständlichkeit
    „Web“ braucht keine Erklärung. Die Endung kommuniziert sofort: digitale Präsenz, Internet, Marke. Das ist ein erheblicher Vorteil gegenüber gTLDs, die branchenspezifisch oder regional begrenzt sind.
  • Verisign als Registry
    Das Unternehmen betreibt zwei der 13 globalen Root-Server und ist für .com weltweit bekannt. Registrare werden .web aktiv vermarkten, weil Verisign die Reichweite hat, den Markt zu bewegen.
  • Das richtige Timing
    Mit 401,6 Millionen registrierten Domains weltweit (Q2 2026) wird der Namespace enger. .web kommt genau dann, wenn Unternehmen verstärkt nach validen Alternativen zu vergebenen .com-Domains suchen.

Was das für Markeninhaber bedeutet

.web wird registriert werden – von Unternehmen mit legitimen Interessen, aber auch von Dritten, die den Begriff als Vehikel für Cybersquatting nutzen. Wer seine Domain-Strategie nicht aktiv steuert, überlässt anderen das Feld.

Dabei ist die entscheidende Frage nicht „Sollen wir unseren Markennamen in .web registrieren?“ – sondern: „Wie läuft die Einführung ab, wer hat Vorfahrt, und welche Schritte müssen wir wann einleiten?“

Genau das erklärt Teil 2 dieser Serie: Sunrise-Phase, Trademark Clearinghouse, Limited Registration Period für .com-Inhaber – und die drei zentralen Fragen für die eigene Domain-Strategie.

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Martin Küchenthal

Martin Küchenthal

Martin Küchenthal ist Gründer und Geschäftsführer der LEMARIT GmbH. Seit über 20 Jahren ist er in der Domainbranche aktiv und zählt zu den erfahrenen Experten für strategisches Domainmanagement, dotBRANDs und Markensicherheit im digitalen Raum.

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