.web und die Sicherheitsfrage: DNS-Einstellungen, Brand Monitoring und Enforcement

.web und die Sicherheitsfrage: DNS-Einstellungen, Brand Monitoring und Enforcement

Die .web-TLD kommt – und mit ihr eine neue Angriffsfläche für Markeninhaber. In Teil 1 haben wir erklärt, warum .web besonderes Potenzial hat. In Teil 2 ging es um den Einführungsablauf und die Domain-Strategie. In diesem abschließenden Teil geht es um die Sicherheitsdimension: Was jede neue TLD-Einführung auch für bestehende Domains bedeutet – und wie Markeninhaber sich jetzt strukturell schützen können.

Neue TLD, neue Angriffsfläche – auch für bestehende Domains

Viele Unternehmen unterschätzen einen wichtigen Zusammenhang: Die Einführung einer neuen TLD ist nicht nur eine Registrierungsfrage – sie ist auch ein willkommener Anlass, die Sicherheitskonfiguration der eigenen Domains zu überprüfen.

Denn Cybersquatter und Phishing-Akteure nutzen neue TLDs gezielt: Sie registrieren Domains, die einer bekannten Marke täuschend ähnlich sehen, und bauen darauf Fake-Shops, Phishing-Seiten oder betrügerische E-Mail-Kampagnen auf. Wer dann keine sauberen DNS-Einstellungen hat, macht es Angreifern noch leichter, im Namen der eigenen Marke aufzutreten.

DNS-Einstellungen: Was jetzt auf den Prüfstand gehört

Folgende vier Einstellungen sollten vor dem .web-Launch überprüft und aktualisiert sein:

  • SPF (Sender Policy Framework)
    Legt fest, welche Mailserver berechtigt sind, E-Mails im Namen Ihrer Domain zu versenden. Ein fehlender oder veralteter SPF-Record ermöglicht es Dritten, im Namen Ihrer Marke E-Mails zu versenden – unbemerkt und ohne technische Hürde.
  • DKIM (DomainKeys Identified Mail)
    Digitale Signatur für ausgehende E-Mails. Verhindert, dass E-Mails im Transit manipuliert werden, und bestätigt die Authentizität des Absenders gegenüber empfangenden Mailservern.
  • DMARC (Domain-based Message Authentication, Reporting and Conformance)
    Die übergeordnete Policy, die definiert, wie empfangende Mailserver mit E-Mails umgehen sollen, die SPF- oder DKIM-Prüfungen nicht bestehen. Ohne DMARC-Eintrag ist E-Mail-Spoofing unter Ihrer Marke strukturell möglich – unabhängig davon, wie gut SPF und DKIM konfiguriert sind.
    Tipp: Nutzen Sie unseren DMARC Analyzer, um Ihre DMARC-Konfiguration sicher aufzusetzen.
  • DNSSEC
    Die kryptographische Absicherung des DNS selbst. Verhindert, dass DNS-Antworten manipuliert werden und Nutzer auf gefälschte Seiten umgeleitet werden – auch dann, wenn die Domain selbst korrekt registriert ist.

Unser Team im Bereich Security & Technical Services führt DNS-Audits durch und unterstützt bei der Implementierung und laufenden Überwachung dieser Einstellungen. Vereinbaren Sie gerne einen kostenlosen Termin mit unserem LEMARIT Domain-Experten.

Online Brand Monitoring: Jetzt aktivieren, bevor .web live geht

Defensive Registrierungen sind ein sinnvoller erster Schritt – aber sie schützen nur die Domains, die man selbst registriert. Sie schützen nicht vor:

  • Typosquatting – leichte Schreibfehler im Markennamen
  • Combosquatting – der Markenname kombiniert mit Begriffen wie „shop“, „support“, „jobs“, „official“
  • Homoglyph-Attacken – optisch ähnliche Zeichen statt der richtigen Buchstaben

Der wirkungsvollste Schutzmechanismus ist aktives Online Brand Protection Monitoring: die tägliche Überwachung sogenannter „Newly Observed Domains“ – also erstmals beobachteter Domains, die den eigenen Markennamen enthalten oder ihm ähneln.

Wie realistisch das Bedrohungsszenario ist, zeigt ein konkretes Beispiel aus unserer Praxis: Im Vorfeld der FIFA-WM 2026 identifizierten wir mit unserem Monitoring-Tool in 7 Tagen über 5.400 verdächtige Domains mit FIFA-Bezug – 84,9 % mit klaren Verdachtsmerkmalen, 106 davon mit aktiver E-Mail-Infrastruktur und damit unmittelbar phishing-fähig. Das FBI hatte öffentlich 36 Domains gemeldet.

Mit der Einführung von .web wird sich dieses Muster für etablierte Marken wiederholen. Wer bereits vor dem Launch ein Monitoring-System betreibt, kann innerhalb von Stunden reagieren – statt Wochen später auf den Schaden.

Enforcement: Was tun, wenn Monitoring eine Verletzung zeigt?

Wenn das Monitoring eine problematische Domain identifiziert, stehen Markeninhabern je nach Schwere und Dringlichkeit verschiedene Instrumente zur Verfügung:

  • UDRP (Uniform Domain-Name Dispute-Resolution Policy)
    Das Standardverfahren für Domain-Streitigkeiten unter generischen TLDs. Schneller und kostengünstiger als ein gerichtliches Verfahren – geeignet, wenn eine Domain klar in böser Absicht registriert wurde und eine eingetragene Marke verletzt.
  • URS (Uniform Rapid Suspension)
    Ein noch schnelleres Verfahren für klare Fälle: Domains können innerhalb weniger Tage gesperrt werden – allerdings nur suspendiert, nicht übertragen. Geeignet bei offensichtlichem Missbrauch mit unmittelbarem Schadenspotenzial.

LEMARIT unterstützt bei der Durchführung von UDRP- und URS-Verfahren in Zusammenarbeit mit spezialisierten Rechtspartnern. Mehr zu Monitoring & Enforcement.

Der Blick nach vorn: dotBRAND als strukturelle Antwort

.web macht deutlich, was jede neue TLD-Einführung zeigt: Wer seine Marke nicht selbst im Namespace verankert, überlässt anderen die Initiative.

Eine eigene dotBRAND-TLD geht einen Schritt weiter: Wer seine Marke selbst als Top-Level-Domain betreibt, kontrolliert den gesamten Namespace darunter. Cybersquatting auf der eigenen Markenendung wird strukturell unmöglich. Wenn Sie bereits eine dotBRAND für Ihre Marke betreiben, berät Sie unser dotBRAND-Team zu Registry & dotBRAND Services beim technischen Betrieb.

Fazit der Serie: .web ist kein Ereignis. Es ist ein Signal.

Jede neue TLD, die Reichweite und Akzeptanz findet, ist gleichzeitig eine neue Angriffsfläche – und eine neue Chance, die eigene digitale Präsenz strategisch zu stärken. Die drei wichtigsten Schritte, die wir Markeninhabern jetzt empfehlen:

  1. Domain-Portfolio überprüfen – informiert entscheiden, was in .web registriert werden soll, und Marke jetzt in der TMCH hinterlegen (siehe Teil 2 der Serie).
  2. DNS-Sicherheit auditieren – SPF, DKIM, DMARC und DNSSEC auf den neuesten Stand bringen.
  3. Brand Monitoring aktivieren – bevor .web live geht, nicht danach.

LEMARIT unterstützt Sie bei allen drei Schritten – von der strategischen Beratung bis zur technischen Umsetzung und rechtlichen Durchsetzung.

2048 1365 Martin Küchenthal
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Martin Küchenthal

Martin Küchenthal

Martin Küchenthal ist Gründer und Geschäftsführer der LEMARIT GmbH. Seit über 20 Jahren ist er in der Domainbranche aktiv und zählt zu den erfahrenen Experten für strategisches Domainmanagement, dotBRANDs und Markensicherheit im digitalen Raum.

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